Aachen ist jetzt „Fair Trade Town" - Doch das kann nur ein Anfang zum Umdenken sein
Nach einem offiziellen Akt trägt die Stadt Aachen jetzt für zwei Jahre das Siegel „Fair Trade Stadt".
„Damit haben wir zwar einen großen Schritt getan, stehen aber noch am Anfang und müssen nun beweisen, wie ernst es uns mit fair gehandelten Produkten im täglichen Leben ist.
Das Thema fairer Handel passt in die Stadt. Viele Bürger sind sehr kritisch geworden, schauen bei den Produkten genauer hin, fragen, wo kommen sie her, wie sind sie hergestellt worden", sagte Bürgermeisterin Hilde Scheidt bei der Verleihung im Weißen Saal des Rathauses. Die Stadt habe die Aufgabe, die Menschen aufzuklären, doch der Prozess müsse von „unten herauf wachsen", zum Beispiel durch bürgerschaftliches Engagement. In Aachen gibt es derzeit etwa 60 Geschäfte, in denen fair gehandelte Produkte angeboten werden.
„Die Nachfrage bestimmt den Markt. Und diese Nachfrage nach fairen Produkten ist gestiegen und der Handel stellt sich darauf ein", so Manfred Piana vom Einzelhandelsverband Aachen-Düren.
Dirk Deutz als Vertreter des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga sagte, dass die Branche stark interessiert sei, allerdings müsse auch das Bewusstsein geschaffen werden. „Fair gehandelte Produkte sind nur unwesentlich teurer und mit der früheren Qualität nicht mehr zu vergleichen. In den vergangenen zwei, drei Jahren sind Bio-Produkte stark im Kommen, drücken inzwischen sogar Life-Style aus."
Und auch TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath, der das Siegel überreichte, ist sicher, dass sich fair gehandelte Produkte weiter durchsetzen und nannte England als „Mutterland des fairen Handels" mit einem jährlichen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro in diesem Bereich.
Und dennoch: „Jeder wendet sich gegen Kinderarbeit oder unmenschliche Produktionsbedingungen, doch beim Kauf z.B. eines T-Shirts entscheiden sich viele oft genug für das billige, das eben unter eben solchen schlechten Bedingungen hergestellt worden ist", so Dieter Overath.
Dr. Mona Pursey, Koordinatorin für entwicklungspolitische Bildungsarbeit
in der Region Aachen nannte den fairen Handel eine „gesellschaftliche Querschnittsausgabe, die vor allem vom bürgerschaftlichen Engagement lebe. Sie ist außerdem Mitglied der Steuerungsgruppe fairer Handel, in dem Vertreter des Handels, Dehoga, IHK, Stadt Aachen und Bürger vertreten sind. Die Gruppe will Öffentlichkeit schaffen, Veranstaltungen wie Weltfest und Weltladentag organisieren, informieren, was in Aachen in Sachen fairer Handel passiert.
Unter dem Motto „Fair ist mehr!" finden noch bis Freitag, 30. September, im Aachener Weltladen, Jakobstraße 9, einige Aktionen im Rahmen der fairen Woche statt. (als)